Heimische Wildstauden
… sind gerade richtig angesagt – und das aus gutem Grund. Sie verbinden natürliche Schönheit mit der wachsenden ökologischen Verantwortung des Gartenbesitzers. Ihre bunten Blüten, zarten Samenstände und abwechslungsreichen Blattformen verwandeln jede Gartenecke in ein lebendiges Biotop – und das ganz ohne aufwändige Pflege.
Heimische Wildstauden bieten Nahrung und Lebensraum für zahlreiche Insekten. Einige heimische Wildbienen und Schmetterlinge sind bei ihrer Nahrungssuche oder Entwicklung auf bestimmte heimische Pflanzenarten angewiesen. Mit einer vielfältigen Auswahl heimischer Wildstauden lässt sich deshalb die heimische Insektenwelt im Garten gezielt unterstützen.
Die heimischen Wildpflanzen in dieser Sortimentsliste sind Arten, die natürlich in Deutschland vorkommen.
Natürliche Verbreitungsgebiete orientieren sich jedoch nicht an heutigen Länder- oder Verwaltungsgrenzen. Sie können sich über verschiedene Regionen und Landschaftsräume erstrecken und verändern sich über lange Zeiträume.
Für die Verwendung im Garten steht für uns deshalb nicht eine möglichst enge geografische Abgrenzung im Vordergrund. Entscheidend ist, mit einer vielfältigen Auswahl heimischer Wildpflanzen Lebensräume und Nahrungsangebote für die heimische Tierwelt zu schaffen und natürlichen Pflanzen einen festen Platz im Garten zu geben.
Aus unserem Sortiment…
Anthemis tinctoria
Färberkamille
Die Färberkamille ist eine einheimische Staude mit sonnigem Wesen. Von Früh- bis Spätsommer trägt sie leuchtend gelbe Blütenköpfe über dem fein gefiederten, graugrünen Laub. Ihre klare Farbe wirkt frisch und heiter, ihr luftiger Wuchs bringt Bewegung in Beete und naturnahe Pflanzungen.
Die Pflanze wächst locker aufrecht und erreicht je nach Standort etwa 30 bis 60 Zentimeter Höhe. Sie liebt durchlässige, eher trockene Böden und fühlt sich an vollsonnigen Plätzen besonders wohl. Als robuste Pionierpflanze steckt sie Hitze und kurze Trockenphasen gelassen weg.
Die Blüten der Färber-Kamille werden von zahlreichen Insekten besucht. Besonders solitäre Wildbienen und Schwebfliegen nutzen die Blüten als Nahrungsquelle. Zu den Wildbienen, für die Anthemis tinctoria als Pollenquelle nachgewiesen ist, gehören beispielsweise die Buckel-Seidenbiene und die Gewöhnliche Löcherbiene.
Quelle: Garbuzov, M. & Ratnieks, F. L. W. (2020): Quantifying the attractiveness of garden flowers for pollinators. Journal of Insect Conservation 24, 119–128. Originalpublikation bei Springer Nature
Pulsatilla vulgaris
Küchenschelle
Mit einer Wuchshöhe von nur 30cm entfaltet die Küchenschelle dennoch große Wirkung. Stern- bis glockenförmige Blüten stehen schon früh im Jahr über feingefiedertem Laub. Die meist violetten, manchmal auch rosa oder weißen Blüten haben eine große goldgelbe Mitte. Nach den wundervollen Blüten sind die puscheligen, silbrig schimmernden Samenstände ein weiteres dekoratives Highlight.
Die Küchenschelle entwickelt sich recht langsam und sollte daher nicht mit starkwüchsigen Stauden vergesellschaftet werden. Einmal etabliert überdauert sie aber sehr viele Jahre am gleichen Platz und ist dabei äußerst genügsam.
Die Küchenschelle ist eine alpine Pflanze, die auf Trockenrasen wächst und in freier Natur unter Schutz steht. Unsere Pflanzen stammen aus gärtnerischer Kultur, d. h. das Saatgut wurde nicht am Naturstandort gesammelt.
Die Küchenschelle blüht sehr früh im Jahr und bietet bereits im zeitigen Frühjahr Nahrung für Wildbienen. Ihre Blüten werden unter anderem von Sandbienen, Mauerbienen und Hummeln besucht, die dort Pollen und Nektar sammeln.
Quellen: Hoiss, B. et al. (2019): How does timing of flowering affect competition for pollinators, flower visitation and seed set in an early spring grassland plant? Scientific Reports 9. Nature
DiLeo, M. F. et al. (2018): Contemporary pollen flow as a multiscale process: Evidence from the insect-pollinated herb, Pulsatilla vulgaris. Journal of Ecology.
Carum carvi
Kümmel
Als zweijährige Pflanze bildet Kümmel im ersten Jahr eine bodennahe Blattrosette, aus der im zweiten Jahr schlanke Stängel aufsteigen. Im Frühsommer tragen sie lockere, weiße bis leicht rosafarbene Dolden, die wie feines Spitzenwerk über dem Grün schweben.
Die Pflanze erreicht etwa 30 bis 80 Zentimeter Höhe und bevorzugt sonnige bis halbschattige Standorte mit nährstoffreichen, gut durchlässigen Böden. In Wiesen, Kräutergärten oder naturnahen Pflanzungen fügt sich Carum carvi unaufdringlich ein und wirkt dabei zugleich leicht und lebendig.
Nach der Blüte reifen die bekannten Kümmelfrüchte heran. Sie werden seit Jahrhunderten als Gewürz und Heilpflanze geschätzt. In Weißkraut, zu Bratkartoffeln oder im bayerischen Obatzda darf Kümmel nicht fehlen. Schon lange ist bekannt, dass Kümmel der Verdauung sehr zuträglich ist, weshalb v. a. schwere Speisen damit gewürzt werden.
Die Blüten des Wiesen-Kümmels bieten Pollen und Nektar für zahlreiche Insekten. Besonders Schwebfliegen und andere Fliegen, aber auch Bienen und weitere Hautflügler besuchen die offenen Doldenblüten.
Quelle: Eckerter, P. W. et al. (2023): More complex than you think: Taxonomic and temporal patterns of plant–pollinator networks of caraway (Carum carvi L.). Molecular Ecology. PubMed

